Ein Velo ist mehrere hundert Franken wert, ein E-Bike oft mehrere tausend. Die Käuferin will es probefahren, und sie fragt sich, ob es gestohlen ist. Deshalb zählt die Plattform hier mehr als bei einer Lampe.
Die kurze Antwort:
- E-Bike über 1 500 Franken: zuerst Velocorner, in der ganzen Schweiz. Dazu Tutti in der Deutschschweiz und im Tessin, Anibis in der Romandie.
- Normales Velo unter 500 Franken: Tutti (Deutschschweiz, Tessin) oder Anibis (Romandie), ohne Provision. Facebook Marketplace als Ergänzung.
- Kindervelo oder altes Stadtvelo: eine Velobörse im Frühling oder Herbst.
Warum, siehst du hier.
Was dich jede Option kostet
| Provision | Zahlung | |
|---|---|---|
| Velocorner | 8 %, max. 275 CHF | bargeldlos über die Plattform |
| Ricardo | 12 % für Velos, max. 290 CHF | über die Plattform abgewickelt |
| Tutti / Anibis | keine | direkt unter euch |
| Facebook Marketplace | keine (bei persönlicher Übergabe) | direkt unter euch |
| Velobörse | oft 10 bis 20 % | die Organisatoren verkaufen für dich |
Drei konkrete Beispiele:
- Stadtvelo für 400 Franken: 48 Franken an Ricardo, 32 an Velocorner, 0 auf Tutti oder Anibis.
- E-Bike für 3 000 Franken: Bei Ricardo wären 12 % genau 360 Franken, gedeckelt auf 290. Bei Velocorner 240. Auf Tutti oder Anibis nichts — aber auch kein Zahlungsschutz.
- E-Bike für 4 000 Franken: Beide Obergrenzen greifen, 290 bei Ricardo gegen 275 bei Velocorner. Der Unterschied verschwindet fast.
Seit April 2026 gewährt Ricardo kombinierbare Rabatte auf die Provision (Auktion ab 1 Franken, Ricardo Plus, Rabatt bei jedem fünften Verkauf): bis zu 30 % weniger, also im besten Fall 8,4 % auf ein Velo.
Velocorner: die Spezialplattform
Velocorner ist der Schweizer Marktplatz nur für Velos; der TCS ist seit 2023 Mitinhaber. Laut TCS laufen dort jedes Jahr über 150 000 Velos über die Plattform, und der Durchschnittspreis eines Occasionsvelos lag 2025 bei rund 2 743 Franken. Hier sucht man ein gutes Velo, nicht ein Schnäppchen für 50 Franken.
Der Ablauf löst die zwei Sorgen beim Verkauf eines teuren Velos:
- die Probefahrt: Die Käuferin kommt vorbei, fährt Probe und bestätigt den Kauf vor Ort;
- die Zahlung: kein Bündel Noten zum Nachzählen — das Geld läuft über die Plattform, und du erhältst es, sobald die Käuferin bestätigt hat.
Kein Verkauf, keine Gebühr. Für ein teures E-Bike ist das die sicherste Variante, und sie kostet weniger als Ricardo.
Ricardo: nur wenn die Auktion steigen kann
Mit 12 % ist Ricardo für ein Velo die teuerste Plattform. Sie lohnt sich in einem Fall: bei einem Velo, das Liebhaber suchen — ein Rennvelo einer bekannten Marke, ein hochwertiges Mountainbike, ein Vintage-Modell —, wo mehrere Bieter den Preis über deine Vorstellung treiben können. Bei einem gewöhnlichen Stadtvelo bringt dir die Provision nichts.
Tutti, Anibis: je nachdem, wo du wohnst
Für ein normales Velo reicht ein Gratis-Inserat — auf der richtigen Plattform. Tutti zeigt rund 2,2 Millionen Inserate, Anibis rund 612 000, aber nicht am gleichen Ort: Tutti dominiert in der Deutschschweiz und im Tessin, Anibis in der Romandie (wir haben es Kanton für Kanton gezählt, in unserer Plattform-Karte).
Der Konzern, dem beide gehören, hat am 20. Oktober 2026 angekündigt, dass die Inserate schrittweise und in ausgewählten Kategorien auch auf der jeweils anderen Plattform erscheinen. Auf beiden zu inserieren bringt damit noch weniger.
Velobörsen
Pro Velo und andere Vereine organisieren Velobörsen: Du bringst das Velo am Morgen, legst den Preis fest, sie verkaufen, und am Nachmittag holst du Geld oder Velo ab. An der Börse von Pro Velo und Universität Genf zum Beispiel beträgt die Provision 10 % für Mitglieder und 20 % für alle anderen. Ideal für ein zu klein gewordenes Kindervelo: Die Eltern kommen genau dafür.
Was die Käuferin wissen will
Die Grösse. Gib die Rahmengrösse an (in cm oder S/M/L) und die Körpergrösse der Person, die es gefahren ist: «Rahmen 54 cm, ich bin 1,78 m». Das ist die erste Frage, die kommt.
Den Nachweis, dass es dir gehört. Behalte die Kaufquittung und notiere die Rahmennummer (unter dem Tretlager eingeprägt). In der Schweiz kann der Eigentümer eines gestohlenen Velos es fünf Jahre lang von jedem Käufer zurückfordern (Art. 934 ZGB): Eine vorsichtige Käuferin fragt nach der Quittung. Erwähne sie im Inserat und gib beim Verkauf eine Quittung mit der Rahmennummer mit.
Beim E-Bike: den Akku. Er macht den Preis. Laut TCS:
- hält ein Akku etwa fünf bis sechs Jahre;
- verliert er normalerweise rund 5 % Kapazität pro Jahr und hat nach vier Jahren oft noch etwa 80 %;
- kostet ein neuer Akku je nach Marke 679 bis 1 290 Franken.
Die Käuferin rechnet: Muss sie den Akku in einem Jahr ersetzen, zieht sie diesen Betrag ab. Nenne also Alter des Akkus, Kapazität (in Wh, zum Beispiel 500 Wh) und Kilometerstand. Noch besser: Lass die Restkapazität im Velogeschäft mit dem Diagnosegerät der Marke auslesen und schreib das Resultat ins Inserat.
Den Preis. Ebenfalls laut TCS verliert ein E-Bike im ersten Jahr rund 30 % an Wert und ist nach zwei Jahren noch etwa die Hälfte des Neupreises wert.
Zusammengefasst
- E-Bike oder wertvolles Velo → Velocorner: sichere Zahlung, Probefahrt vor Ort, 8 % bis maximal 275 Franken.
- Normales Velo → Tutti in der Deutschschweiz und im Tessin, Anibis in der Romandie, ohne Provision.
- Gesuchtes Markenvelo für Liebhaber → Ricardo als Auktion, wenn du die 12 % in Kauf nimmst.
- Kindervelo → eine Velobörse.
- Immer: Rahmengrösse, Rahmennummer, Quittung, beim E-Bike Alter und Kapazität des Akkus.
Quellen: Verkaufsseite von Velocorner (Provision), Medienmitteilungen des TCS zu Velocorner (2025) und TCS-Ratgeber zu Occasions-E-Bikes, Ricardo-Übersicht der Erfolgsprovisionen nach Produkttyp und Rabatte ab April 2026, Mitteilung zu Tutti und Anibis vom 20. Oktober 2026, Velobörse Universität Genf × Pro Velo (September 2026), Art. 934 ZGB. Stand Oktober 2026: Tarife ändern sich, prüfe sie, bevor du deinen Preis festlegst.