«Welches ist die beste Plattform zum Verkaufen in der Schweiz?» hat keine Antwort. Die richtige Frage lautet: die beste wo?
Denn die Schweiz hat keinen Gebrauchtmarkt, sie hat drei — und die führende Plattform ist in allen dreien eine andere.
Die Karte, gemessen
Ich habe am 25. August 2026 die angezeigten Inserate pro Kanton auf den beiden grossen Kleinanzeigen-Plattformen gezählt. Du kannst nachzählen: die Zahlen stehen im Titel jeder Suchseite.
| Zürich | Waadt | Tessin | |
|---|---|---|---|
| tutti.ch | 500 893 | 29 662 | 198 679 |
| anibis.ch | 42 083 | 192 584 | 8 329 |
| Verhältnis | tutti ×12 | anibis ×6 | tutti ×24 |
Das ist keine Nuance, das ist eine vollständige Umkehrung. In Zürich ist Anibis marginal. Im Kanton Waadt ist es Tutti. Und im Tessin ist der Abstand der grösste der drei.
Der Konzern, dem beide gehören, sagt es selbst — höflicher formuliert: Tutti sei «in der Deutschschweiz bekannter als in der Westschweiz», Anibis sei «in der Westschweiz am bekanntesten».
Direkte Folge: Von Zürich aus auf Anibis zu inserieren — oder von Lausanne aus auf Tutti — heisst, in einen fast leeren Saal zu schreiben.
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Was jede nimmt
| Inserieren | Provision | Zahlung | Gebiet | |
|---|---|---|---|---|
| Ricardo | gratis | 8 bis 12 % (min. 0.10, max. 290 CHF) | abgewickelt | ganze Schweiz |
| tutti.ch | gratis | keine | unter euch | vor allem DE + TI |
| anibis.ch | gratis | keine | unter euch | vor allem Westschweiz |
| petitesannonces.ch | gratis | keine | unter euch | nur Westschweiz |
| Facebook Marketplace | gratis | keine | unter euch | überall, ausserhalb der Plattformen |
Ricardo ist die einzige mit Provision — und die einzige mit Auktionen und Zahlungsrahmen. Das ist eine Dienstleistung, keine Steuer: die Frage ist, ob sie dir mehr einbringt, als sie nimmt.
petitesannonces.ch ist die viertmeistbesuchte Kleinanzeigen-Website der Schweiz, hinter tutti.ch, homegate.ch und anibis.ch. Sie nennt über 313 000 Inserate und deckt ausschliesslich die Westschweizer Kantone ab. Eine gute zweite Wahl in der Romandie, nie eine erste.
Facebook Marketplace: der Sonderfall
Er funktioniert anders als die übrigen, und alle Unterschiede sind struktureller Natur:
- kein Schutz. Kein Treuhandkonto, keine Vermittlung, kein Rekurs. Der Streit bleibt unter euch;
- du brauchst ein Facebook-Konto, und die Käuferin sieht dein Profil — manche mögen das, andere nicht;
- das Gespräch läuft über Messenger, mitten in deinem übrigen Leben;
- die Suche ist schlecht. Die Inserate sind nicht strukturiert wie auf einer spezialisierten Plattform: kaum Felder, kaum Filter. Dein Inserat wird eher zufällig gefunden als gesucht.
Dafür ist das Publikum da, lokal und gratis. Für ein Möbelstück, das du verschenkst oder für 80 Franken im Quartier verkaufst, funktioniert das sehr gut. Bei einem Gegenstand für 2 000 Franken wird der fehlende Zahlungsrahmen zum echten Risiko.
Welcher Gegenstand, wo
Hier Ehrlichkeit: ich habe keine Verkaufsdaten nach Kategorie. Niemand veröffentlicht welche — die Plattformen löschen verkaufte Inserate, und der Zugang zu echten Transaktionen steht niemandem offen. Was folgt, ergibt sich aus dem Mechanismus jeder Plattform, nicht aus einer Zahlentabelle.
Was das Auktionsformat begünstigt (Ricardo): Gegenstände mit unsicherem Wert und einem Liebhaberpublikum. Fotoausrüstung, Uhren, Markenvelos, Computer, Sammlerstücke. Wenn drei Leute dasselbe wollen, steigt der Preis von allein — genau das tut ein Festpreis nicht.
Was das Kleinanzeigen-Format begünstigt (Tutti, Anibis, petitesannonces.ch): alles Sperrige, Alltägliche, das vor Ort abgeholt wird. Möbel, Haushaltsgeräte, Kinderwagen, Gartengeräte, ganze Wohnungsauflösungen. Direkter Kontakt und Abholung kosten nichts, und der Gegenstand reist nicht.
Was Facebook Marketplace begünstigt: das sehr Lokale und Günstige, wo im Bilderstrom mit dem Auge aussortiert wird.
Der Knopf, den fast niemand benutzt
Tutti, Anibis und Ricardo gehören demselben Konzern. Praktische, von ihnen selbst dokumentierte Folge: du kannst ein Tutti- oder Anibis-Inserat mit einem Klick auf Ricardo veröffentlichen, und löschst du es auf der einen Seite, verschwindet es auch bei Ricardo.
Achtung auf die Falle, auf die ihre eigene Hilfe hinweist: Inserierst du auf Tutti und auf Ricardo, musst du das Inserat bei einem Verkauf selbst von der anderen Plattform nehmen — sonst verkaufst du denselben Gegenstand zweimal.
In der Praxis
- Du verkaufst in der Deutschschweiz oder im Tessin? Tutti zuerst. Anibis bringt fast nichts.
- Du verkaufst in der Westschweiz? Anibis zuerst, petitesannonces.ch als Zweites, wenn es liegen bleibt.
- Unsicherer Wert oder Liebhaberpublikum? Ricardo, und rechne die Provision ein.
- Sperrig und unter 100 Franken wert? Die lokale Plattform oder Facebook Marketplace, sonst nichts.
- Mehr als 1 000 Franken wert? Finger weg von Facebook Marketplace: der fehlende Zahlungsrahmen ist dann kein Detail mehr.
Was diese Zahlen nicht sagen
Eine Inseratzahl misst ein Angebot, keine Nachfrage. Ein Kanton, in dem eine Plattform viele Inserate zeigt, ist ein Kanton, in dem viele Leute dort inserieren — ein gutes Indiz für Reichweite, aber kein Beweis, dass es sich dort besser verkauft.
Und die Zahlen bewegen sich: Sie stimmten am 25. August 2026, auf den öffentlichen Seiten beider Websites. Zähl nach, bevor du eine wichtige Entscheidung darauf stützt.
Quellen: Kantons-Suchseiten von tutti.ch und anibis.ch (Zählung vom 2026-08-25), Ricardo-Hilfecenter für Provisionen und Cross-Publishing, Mitteilung der Swiss Marketplace Group zur regionalen Bekanntheit ihrer Plattformen, Similarweb-Ranking der Schweizer Kleinanzeigen-Websites (Juli 2026), Startseite von petitesannonces.ch.